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Chancen für Frauen in nicht-traditionellen Berufen
BM Gabriele Heinisch-Hosek besuchte das BAZ Berufsausbildungszentrum des bfi Wien

(13.10.2011) Zahlen von 2010 belegen, dass immer noch 48 Prozent der weiblichen Lehrlinge einen der sogenannten weiblichen Lehrberufe, das sind Friseurin (10 %), Bürokauffrau (12,4 %) und Einzelhandelskauffrau (25 %), wählen. Da scheint es noch viel Bedarf an Aufklärungs- und Bewusstseinsarbeit zu geben – bei den Eltern, im Kindergarten, in der Schule, in den Unternehmen, in Jugendclubs, bei den Mädchen genauso wie bei den Burschen etc.

Die Berufswahl ist auch mitverantwortlich für die späteren Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Das Einstiegsgehalt z.B. einer KFZ-Elektrikerin in der Höhe von € 1.660,-brutto gegenüber dem einer Friseurin (€ 1.145,- brutto) könnte auch ein Grund sein, in die Technik zu wechseln.

Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst, besuchte am 11.10.2011 die Werkstätten des Berufsausbildungszentrums BAZ des bfi Wien.
Hier holen Erwachsene durch die Facharbeiter/innen-Intensivausbildung ihren Lehrabschluss nach – finanziert aus Mitteln des AMS Wien und WAFF.

Im Gespräch mit den Teilnehmer/innen, Ausbilder/innen und der Geschäftsführung, Franz-Josef Lackinger und Valerie Höllinger, informierte sich die Ministerin eingehend über die Ausbildungen und Berufswege - vor allem der Frauen, die sich in die Technik wagen. „Nicht bescheiden sein, Bescheid wissen über das, was einem zusteht, und Mut zu außergewöhnlichen bzw. nicht-traditionellen Berufswegen haben“, ermunterte Heinisch-Hosek die Frauen. Und diese Entscheidung bzw. Umorientierung könne auch später fallen, wie die Berufswege mancher Frauen im BAZ zeigen. Sie betonte aber auch, dass sie ebenso die Männer anspricht, wenn es z.B. um Halbe-Halbe in der Partnerschaft geht. Auf das gängige „Argument“, Frauen würden sich nicht für Technik interessieren, konterte Heinisch-Hosek: „Es geht um Wissen und Information und natürlich auch Motivation. Und das beginnt im Kindergarten. Es ist auch die Aufgabe der Politik, Informationen und Möglichkeiten bereitzustellen und für Transparenz zu sorgen“.

Die aktuellen Frauenanteile im Berufsausbildungszentrum des bfi Wien

Noch immer sind in den Metallberufen weniger Frauen: 2,7 %, langsam steigend bei Elektro mit 8,6 % und EDV & IT mit fast 20 % (insgesamt 11,4%), derzeit gibt es keine Teilnehmerinnen bei Bau/Holz, aber in der Jugendwerkstatt fast 35 % (hier können Jugendliche unterschiedliche Berufe ausprobieren, um sich anschließend für eine Berufsausbildung oder für die Berufstätigkeit zu entscheiden). Alles zusammengerechnet liegt in diesem Geschäftsbereich des bfi Wien der Frauenanteil bei 14 % (das sind 142 Teilnehmerinnen von derzeit 1010 TN).

Erfreulich ist, dass der Anteil der Trainerinnen bzw. Ausbilderinnen in den technischen Bereichen bei 20 % liegt. Wiederum traditionell gibt es mehr Frauen in der pädagogischen Betreuung (7 Frauen zu 4 Männern, bei der Reinigung/Haustechnik umgekehrt), ausgewogen ist das Geschlechterverhältnis der Trainer/innen in der Jugendwerkstatt und Verwaltung.

Zwei Erfolgsgeschichten

Anna H., 41, hat sich nach der Matura für den Beruf Goldschmiedin entschieden. Nach der Gesellenprüfung arbeitete sie fast 20 Jahre für unterschiedliche Künstler/innen und Goldschmiede/-schmiedinnen, teils selbstständig, teils angestellt musste sie immer wieder um Aufträge kämpfen, um sich und ihre Kinder (9 und 11) erhalten zu können. Ein Burnout zwang sie, über ihre berufliche Zukunft nachzudenken. Sie suchte im Internet nach anderen beruflichen Möglichkeiten und Ausbildungen und fand das BAZ. Im Beratungsgespräch beim AMS einigte man sich auf die Facharbeiter/innen-Intensivausbildung Elektroinstallationstechnik. Im Mai 2012 wird Anna die Lehre abschließen, „aber damit ich nicht auf Dauer auf Baustellen arbeiten muss, möchte ich berufsbegleitend weiterlernen, entweder Mechatronik ergänzen oder die Fachhochschule besuchen“.

Alexandra P., 34, hat nach der Hauptschule noch 1 Jahr Handelsschule angehängt, bevor sie die Lehre als Friseurin gemacht hat. Sie leitete 10 Jahre einen Salon und bildete auch Lehrlinge aus – bis es zum Burnout kam. In der Gesundungsphase entschied sie sich für den Berufswechsel, suchte gezielt im Internet nach Mechatronikausbildungen und kam zum BAZ. „Ich lerne gerne, möchte mich weiterentwickeln - und in der Technik tut sich ständig was Neues. Aber ohne die Unterstützung durch meinen Partner – auch in Bezug auf unser 11-jähriges Kind wäre die Ausbildungszeit schwieriger“, erklärt Alexandra. Sie macht  noch 2011 ein Praktikum in einem Produktionsunternehmen für Elektroteile, im Januar die Lehrabschlussprüfung an der Wirtschaftskammer und hofft, vom Praktikumsbetrieb übernommen zu werden – wie es im BAZ nach dem Abschluss der Facharbeiter/innen-Intensivausbildung bei 60% üblich ist – Tendenz steigend.

Und was unternimmt das bfi Wien bzw. das BAZ, um mehr Frauen zur Technik zu animieren?

Das BAZ arbeitet seit 2004 im FIT-Programm (Frauen In die Technik) mit. Es wird jeden Monat ein zusätzlicher Informationstag ausschließlich für Frauen abgehalten. Das BAZ nimmt zusätzlich jedes Jahr am Frauentag sowie am Töchtertag teil (der nächste findet am 26.04.2012 statt). Und es besteht eine gute Vernetzung zu Frauenorganisationen, wie z.B. auch zum abz.austria oder Sprungbrett.

Rückfragehinweis:

Mag. Gabriele Masuch
bfi Wien
Tel. 01/811 78-10385
g.masuch@bfi-wien.or.at