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Ganztagesschulen erhöhen Chancengleichheit (Bericht der Präsentation am 4.12.2009)

Die kaufmännischen Schulen bfi Wien erweitern ihr Angebot auf die Ganztagsform.
 
Im Rahmen der Präsentation der Ganztagesschulen für HAS und HAK wies Herwig Stage, Geschäftsführer des bfi Wien, auf die 40jährige Erfahrung als Schulerhalter, auf die Eröffnung der ersten EDV-Schule und das Engagement bei der Kooperativen Mittelschule hin. „Mit der Ganztagsschule leisten wir wieder Pionierarbeit in bildungspolitischem Sinn. Durch die vielseitige Betreuung wird die Basis für höhere Bildungs- und Berufschancen besonders für sogenannte bildungsferne Bevölkerungsgruppen gelegt,“ so Stage. Denn nur 20 % der Schüler/innen von Eltern mit Pflichtschulabschluss schließen mit Matura ab. Gleichzeitig scheitern Schüler/innen mit Migrationshintergrund am Schulsystem.  Daher hat die OECD in ihrem kürzlich an das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur verfassten Bericht unter anderem mehr Ganztagsschulen und Lehrer/innen mit Migrationshintergrund empfohlen. Insgesamt fällt auf, dass Länder mit Ganztagsmodellen bei Bildungstests besser abschneiden!

Ganzheitliche Betreuung

Christian Aigner und Hannelore Knasmüller, Lehrer/innen der kaufmännischen Schulen des bfi Wien, berichteten aus dem Schulalltag: Schüler/innen bringen keine Hausübungen, haben zuhause keinen Arbeitsplatz, kein Material, keine Jause, die Eltern sind beide berufstätig und können bei den Hausübungen nicht unterstützen.  Vor diesem Hintergrund wurden heuer erstmals für ein Drittel der Schulanfänger/innen der HAS und HAK Ganztagsformen angeboten. Unterbrochen von einer Mittagspause, kreativen Workshops, einer zusätzlichen Sportstunde und Übungs- bzw. Lernstunden dauert der Unterricht bis 16.40 Uhr inkl. Zeit für Hausübungen. Das Besondere sind zusätzlich Teambildung in der ersten Klasse, Förderkurse z.B. für Französisch und Rechnungswesen, die Vorbereitung auf das österreichische Sprachdiplom, Projektarbeiten wie z.B. Teilnahme an einem Fotowettbewerb.  All das bedeutet für die Lehrer/innen mehr Aufgaben im sozialen Bereich.
Der Vorsitzende des Elternvereins bestätigte, dass sein Sohn - nach dem Wechsel von der HTL - jetzt um vieles selbstständiger und fleissiger für die Schule arbeitet.

Role Models

In den Förderstunden arbeiten zusätzlich zu den Fachlehrer/innen mehrsprachige Student/innen individuell mit den Schüler/innen. Sie sind für die Schüler/innen nicht nur Trainer/innen sondern auch Vorbilder, indem sie deutlich machen, welche bildungsmäßigen Karrieren auch ihnen offen stehen! Das Modell wird sehr gut angenommen, der Migrationshintergrund der bfi Wien Schulen liegt bei ca. 90 %.
Vier Student/innen stellten sich vor: zwei von ihnen - aus Rumänien und der Türkei - haben die HAK des bfi Wien abgeschlossen und studieren jetzt Politikwissenschaft und Jus. Die Germanistikstudentin aus Bosnien plädiert für das Erlernen von „zwei ganzen Sprache anstatt zwei halben“. Der gebürtige Albaner studiert Russisch und Englisch und sammelt schon jetzt durch den Förderunterrricht an den bfi Wien Schulen Praxis für seinen zukünftigen Lehrerjob.

Soziale Mobilität

Wie wichtig Nachmittagsbetreuung für den Schulerfolg ist, bestätigte Susanne Pirstinger, Lehrerin einer Grundschule in Wien-Ottakring. Martin Schenk, Sozialexperte der Evangelischen Diakonie Österreich, zitierte aus einer Studie zum Thema soziale Mobilität: sie sei geringer als in skandinavischen Länder, d.h. der Bildungsstand der Eltern beeinflusst maßgeblich den Bildungsweg und die Bildungserwartung der Kinder. Ganztagsschulen seien wesentlich für den sozialen Aufstieg. Aber: auf die Qualität des Unterrichts, die individuelle Förderung und das Engagement der Lehrer/innen komme es an. 

Walter Grafinger, Landesschulinspektor vom Stadtschulrat Wien, betont den immensen Beitrag der Schule für den persönlichen und beruflichen Erfolg. „Und die Fragen der Integration spielt gerade in berufsbildenden Schulen eine große Rolle. Es geht dabei um die Verantwortung für die Chancen aller Jugendlichen und um unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunft,“ so Grafinger.

Rückfragehinweis:
Mag. Gabriele Masuch
bfi Wien, Alfred-Dallinger-Platz 1, 1034 Wien
Tel.: +43 1 811 78-10385
E-Mail:
g.masuch@bfi-wien.or.at